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0124 VierRichtungsModule
Berlin, 2010, Brandlhuber +

Eine räumliche Trennung von Wohnen und Arbeiten – im Sinne des städtebaulichen Leitbilds der funktionellen Stadt der Moderne – ist in der postindustriellen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß. Die räumliche Verknüpfung von Wohnort und Arbeitsplatz wird nicht nur wieder möglich, sondern auch wünschenswert.

Vor diesem Hintergrund entwickelten Brandlhuber+ seit Ende der 1990er Jahre wiederholt typologische Studien, bei denen sich die vom Baukörper abgerückte Außenerschließung und die modulare innere Raumorganisation immer mehr zu exemplarischen Lösungen für die Kombination von Wohnen und Arbeiten in einem Gebäude herausbildeten (erstmals beim Kölner Brett, 0019, 1997–2000). Besonders die Entwicklung des sogenannten VierRichtungsModuls beim Projekt Salzmagazin II (0082, 2003) stellt einen entscheidenden Schritt in der Verschränkung von Wohn- und Arbeitsbereichen dar: Zwei Volumina werden im 90-Grad- Winkel übereinander angeordnet. Dadurch ergibt sich eine kreuzförmige, hybride Typologie, die die gleichzeitige Ausrichtung des Grundrisses nach Osten und Westen sowie nach Norden und Süden ermöglicht. Das Konzept beruht auf der Annahme unterschiedlicher Tageslichtbedürfnisse für die Nutzungen: Während Schlaf- und Nebenräume bevorzugt in Ost-West-Richtung orientiert sind, gilt für Arbeitsräume eine Nord-Süd-Ausrichtung als optimal.

Als autonome Einheiten wurde diese Idee in Form der „parasitären“ VierRichtungs-Module in Berlin weiterverfolgt (0124). Als Fertigbauelemente sollten sie sich überall dort in der Stadt andocken, wo vernachlässigte oder untergenutzte Infrastrukturen wie Trafohäuschen, Kioske, Dachflächen von Plattenbauten etc. Raum günstig zur Verfügung stellen.

(Text: Anh-Linh-Ngo & Achim Reese)