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0134 Disko 16-19
Nürnberg, 2011, akademie c/o Architektur und Stadtforschung; Arno Brandlhuber, Silvan Linden

Disko, Kurzform von „Diskurskontinuum“, ist der Titel der Publikationsreihe, die Arno Brandlhuber im Rahmen seiner Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg zusammen mit Silvan Linden 2006 ins Leben rief.

In den Ausgaben 16–19 widmen sich Studierende, Dozenten und Gastautoren der Raumproduktion der Berliner Republik. So entwickeln Oliver Miller, Daniel Schwaag und Ian Warner in The New Death Strip (Ausgabe 16) Narrative, die die verschiedenartigen Ansätze der Immobilienentwicklung auf dem Gebiet des früheren Todesstreifens beschreiben.

In seinem Handbuch Verfahrensfreie Bauvorhaben in Berlin (Ausgabe 17) überführt Matthias Spielvogel Gesetzestexte in einen leicht verständlichen Leitfaden, der Spielräume in der Berliner Baugesetzgebung offenbart: Was ließe sich in einem Behälter unterbringen, der bis zu einer Größe von 50 Kubikmetern ohne Genehmigung errichtet werden kann? Welche Möglichkeiten bieten Sprungschanzen, Sprungtürme und Rutschbahnen, deren verfahrensfrei zugelassene Höhe von zehn Metern der von vier Vollgeschossen entspricht?

Ausgehend vom Konzept des psychotropischen Hauses des Science-Fiction-Autors J.G.Ballard, der in seiner Kurzgeschichte „The Thousand Dreams of Stellavista“ (1962) Häuser beschrieb, die sich dem Gemütszustand ihrer Bewohner anpassen oder diese beeinflussen können, entwickelt Tamara Härty in der Ausgabe 18 die Theorie einer „Kuppelmanie“. Demnach hätten die Abgeordneten des Bundestages, dem Einfluss von Norman Fosters Glaskuppel ausgesetzt, die Einweihung des Schlosses – samt Kuppel – zu dem Zeitpunkt verfügt, an dem Deutschlands letztes Kernkraftwerk – samt Kuppel – vom Netz genommen werden wird.

Nine Budde, Robert Burghardt und Kito Nedo porträtieren in der Ausgabe 19 die Entwicklung von „Townhouses“ als Instrument der „kapitalistischen Stadtverwertung“ und analysieren die Argumente der Fürsprecher jener kleinteiligen Blockrandbebauung, in der soziale Entmischung mit formalem Wildwuchs einhergeht.