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0220 Hostelturm Salzburg

Salzburg, 2019, Brandlhuber+ Muck Petzet Architekten; David Djuric, Jakob Eden, Olaf Grawert, Roberta Jurcic, Gabor Kocsis, Pei Wen Lee

Das Bahnhofsviertel ist im Wandel: unterschiedliche Programme und Funktionen bringen unterschiedliche Menschen zusammen. Die Bewohner*innen —Besucher*innen und Bürger*innen der Stadt— kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, Alters- und Nutzergruppen. Der Tourismus ist ein wichtiger Faktor, auf den die Wirtschaft baut. Täglich kommen tausende Besucher*innen in die Stadt: 2018 zählte Salzburg über 1.8 Millionen Ankünfte, mehr als das nahe München Einwohner*innen zählt und rund die Größe der Bundeshauptstadt Wien. Das bringt die Frage mit sich bringt: wie viele Touristen verträgt die Stadt? Und wie können Orte entstehen die nicht nur die Besucher*innen sondern auch die Bürger*innen Salzburgs ansprechen und mit einbeziehen?

Formal orientiert sich das Projekt stark am Kontext: das Dach der angrenzenden denkmalgeschützten Brotfabrik wird über das Baufeld verlängert und zum zentralen Element des Entwurfs. Es entsteht ein Versatz, eine Auskragung im Gebäude, wie man sie bereits beim angrenzenden Kino und Pavillon findet. Dieser Versprung wird zum Vordach für die außenliegende öffentliche (Flucht)Treppe. Die Treppe verbindet den Gehsteig mit dem bestehenden Durchgang der als erhöhter Straßen- und Außenraum zum Verweilen einlädt. Neben der Dachlinie werden auch die Rundbögen der alten Brotfabrik weitergeführt und verweisen auf die historische Bebauung die heute nur mehr in Teilen vorhanden ist. In Anlehung an die Gebäude der Nachbarschaft entsteht ein überhoher Sockelbereich, der den Straßen- und Fußgängerraum fasst und einen Massstab gibt.

Die Versatzstücke aus dem Kontext werden um die zahlreichen gesetzlichen Auflagen ergänzt und führen zu einem Entwurf der nicht das maximale Bau-bare Volumen, sondern die städtebauliche Qualität in den Vordergrund stellt. Weitergedacht wäre so eine Erhöhung des Turmes um ein Wohngeschoss und ein leichtes Dachgeschoss mit Terrasse und Gastronomie denkbar. Diese semi-öffentliche Dachterrasse könnte durch einen der zwei Aufzüge unabhängig vom Hostel betrieben werden, und wäre direkt mit dem Cafe im Erdgeschoss verbunden. Das Gebäude gliedert sich somit in funktional programmatisch schaltbare aber auch autark funktionierende Bereiche: Empfang & Café im EG; Coworking & Office im 1.OG; Café / Bar & Terrasse im DG.

Die offen gestaltete Erdgeschosszone die mit ihrer großen Außentreppe die verschiedenen Niveaus und Nutzer*innen des Viertels verbindet, versucht somit ein Angebot für unterschiedliche Gruppen der Salzburger Öffentlichkeit zu liefern. Die bestehenden Ab-, Auf- und Durchgänge werden umgelegt und zusammengeführt. Der Fluchtweg des City Centers wird aufgewertet und durch die transparente Erdgeschosszone geführt. Es entstehen vielfältige räumliche Situationen zwischen Nebeinander und Miteinander der Nutzer*innen.

Der Entwurf gibt eine Antwort auf die unterschiedlichen Anforderungen: seitens der Auslober, der Stadt und der Bewohner*innen Salzburgs. Diese lautet nicht entweder ökonomisch oder gestalterisch wertvoll, sondern sowohl-als-auch.